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Gute MOOCs – böse MOOCs? Openness als Killerkriterium | re:publica 2013

Moin Moin Ihr EduPunks, Rebellinnen der Lehre, Visonäre des Lernens,

in gut einer Stunde geht die re:publica 2013 los, und wir drei werden am dritten Tag unseren Vortrag “Gute MOOCs – böse MOOCs? Openness als Killerkriterium” halten, konkret am Mittwoch, 8. Mai 2013, von 16:15 bis 17:15. Kommt zuhauf!

Hier als Teaser die erste Seite unseres Vortragsskriptes:

Gute MOOCs – böse MOOCs? Openness als Killerkriterium

Zurzeit läuft die Abstimmungsphase im Wettbewerb „MOOC Production Fellowship”, initiiert vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und iversity. 10 Massive Open Online Courses sollen dadurch mit dem Preisgeld von jeweils 25.000 Euro in den kommenden 12 Monaten realisiert werden – ein famoses Anschubprojekt, damit die MOOC-Welle endlich auch in Deutschland ankommt. Über 200 Konzepte wurden bis zum 30. April 2013 eingereicht. (Eine Bedingung zur Teilnahme war übrigens, dass mindestens ein Hochschulprofessor im Orga-Team ist. Somit wird deutlich, dass die Zielgruppe Hochschulen sind.)

Nun hat Sandra Schön, Co-Gastgeberin des laufenden MOOCs #COER13 – der Online Course zu OER (Open Educational Resources) – sich die Mühe gemacht, mal herauszufinden, wie viele der Einreichungen eigentlich planen, ihre Materialien laut Antrag mit einer Creative Commons-Lizenz zu veröffentlichen. Und siehe da: Sie hat 4 (vier!!!) gefunden. Womit bewiesen wäre: So, wie MOOCs zurzeit gehandelt werden, tun sie nichts für die Open-Bewegung.

Der #COER13 ist neben dem #MMC13 – dem MOOC Maker Course, den wir im Januar/Februar 2013 organisiert haben – der zweite MOOC, der sich mit der Frage von Offenheit in Online-Lernkontexten intensiver beschäftigt. Hier geht es um die veröffentlichten Materialien im engeren Sinne.

Im #MMC13 MOOC Maker Course haben wir vor allem die Fragen der Offenheit im Lernprozess – im Tun - in den Mittelpunkt gestellt, haben entsprechend ganz bewusst

  1. keine Lernzielvorgaben gemacht und komplett auf Lernerfolgskontrollen und daran geknüpft irgendwelche Badgets oder gar Credits verzichtet – es gab also keine extrinsischen Motivatoren, am #MMC13 teilzunehmen…
  2. Wir haben ganz bewusst keine geschlossenen Plattformen eingesetzt, sondern Medienfreiheit und -hoheit seitens der Teilnehmenden gepredigt und praktiziert. Jede/r Teilnehmer/in hat seine/ihre Beiträge am selbstgewählten, im Idealfall sogar selbstgehosteten Ort veröffentlicht. Dies hat dazu geführt, dass statt eines gefüllten Forums, das vom Veranstalter ja jederzeit samt Inhalte wieder abgeschaltet und aus dem Netz genommen werden kann, eine pralle Anzahl an sehr beeindruckenden Blog-Posts, Podcasts und Video-Tutorials entstanden sind, die allesamt auch weiterhin unabhängig von den #MMC13-Verantwortlichen im Netz zur Verfügung stehen.
  3. Und wir haben keine hierarchischen Vorgaben im Sinne von Experte/Lehrer versus Laie/Schüler gemacht, standen sogar vor der Herausforderung, selbst als Gastgeber/innen an unserem eigenen MOOC teilnehmen zu wollen und somit die Rollen zu wechseln – was für manche nicht leicht zu nehmen war…

… und 4. waren wir selbst als Gastgeber/innen nicht institutionell gebunden und verpflichtet, sondern haben – natürlich im Einverstädnis mit unseren Arbeitgebern – diesen MOOC freiwillig und in unserer “Freizeit” umgesetzt, übrigens auch frei von kommerziellen Interessen (ohne zu leugnen, dass eine gewisse Web-Reputation sich evtl. langfristig monetär auszahlen könnte… ;-) )

Lange Vorrede – kurzer Sinn: Wofür stehen wir? Was wollen wir (hier)?

Wir behaupten: Unser MOOC war ein “Back to the Roots” innerhalb des MOOC-Hypes und folgte den “Regeln” für Offenheit im Web, wie sie die Open-Bewegung in verschiedenen Kontexten bereits formuliert hat.

Wir wollen Euch mit einigen Thesen konfrontieren, die unseres Erachtens durch Open Courses, wie sie zurzeit wie Pilze aus dem Boden sprießen, mit Leben gefüllt werden sollten, wenn MOOCs eine Zukunft als Teil der Open-Bewegung haben wollen.

Wir stützen uns dabei auf die Inhalte und die Erfahrungen unseres MOOC Maker Course 2013, den wir zusammen organisiert haben sowie auf unsere weiteren MOOC-Teilnahmen und der intensiven Auseinandersetzung mit dem aktuellen Diskurs rund um Open Courses.

Wir sagen: MOOCs sind ein webbasiertes Lernformat. Und wir sagen auch: Das Potenzial des WWW für das Lernen erschließen sich nur denen, die die Offenheit des Web nicht als Bedrohung verstehen, sondern als Chance.

In unserem Vortrag wollen wir drei Aspekte der Offenheit im Web behandeln und mit Euch diskutieren, was das mit Online-Kursen im MOOC-Stil zu tun hat.

  1. Ökonomische Offenheit – also MOOCs als Bestandteil der Netzökonomie
  2. Offenheit der Lernmaterialen – im Sinne von Open Educational Resources (OER)
  3. Offenheit der Plattform und Publikationsformate – so werden MOOC-Teilnahmen zu einer Form des Online-Publizierens…

Zum Schluss des Vortrags denken wir über die Zukunft der MOOCs und des Lernens im Web nach und stellen einen vierten Aspekt der Offenheit zur Diskussion: Die offenen Grenzen zwischen dem Lernen und anderen Bereichen der sozialen Praxis (“Entschulung der Gesellschaft”) und zwischen den Disziplinen.

Wir sind fest davon überzeugt: MOOCs stehen nicht am Ende, sondern für den Anfang der Entwicklung webbasierter Bildungsformate. Aber wie im Journalismus und der PR wird die weitere Entwicklung nicht zurück zu den alten Formaten gehen, sondern webspezifische Möglichkeiten ausnutzen.

Unsere Kernthese:

MOOCs sind ein webbasiertes Bildungsformat, ein Kursformat, das die Möglichkeiten des Webs für die Bildung aussnutzt. Sie sind hypermedial wie das Web. Ihre besonderen Möglichkeiten entfalten sie nur, wenn sie das mobilisieren, was durch die Offenheit des WWW möglich wird: Die nicht hierarchische Verlinkung von Informationen und Menschen, die dezentrale Kontrolle von Prozessen, die grundsätzliche Gleichberechtigung von Empfängern und Sendern, die Validierung von Informationen in sozialen Netzwerken.

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So, soweit für heute. Den rest gibts am Mittwoch live und danach dann hier auch als Post.

Wir freuen uns auf Euch!

Dörte, Heinz & Monika
das Trio MOOCfernale ;-)

Comments
8 Responses to “Gute MOOCs – böse MOOCs? Openness als Killerkriterium | re:publica 2013”
  1. Ich Drücke Euch die Daumen: Holt die MOOCs aus der Geißelhaft der Hochschulen ;-)

  2. Danke, dass Ihr das aufgreift, dass so wenig dezidiert OER erstellen wollen. Das “Open” bei MOOC ist ja ein richtiges Kaugummi-Open (dehnbar und aufblasbar und platzen kanns auch) und mir gehts bei der Bewerbung ja auch nicht darum, einen MOOC zu machen (das ist ja auch wahnsinnig aufwändig und aufreibend, wie ihr wisst!) sondern v.a. die Materialien entwickeln zu können und teilen zu können – auch weil es eine logische Konsequenz ist, die Kapitel von L3T stehen ja schon zur Verfügung (und dann halt auch zahlreiche weitere Materialien). Wenn es nicht mit dem Fellowship klappt, hat ja vielleicht jemand anderes Lust einen MOOC rund um L3T zu machen – bzw. findet man ja 4 (!) Ausschreibungen die sich auch auf L3T beziehen: Eben weil L3T schon frei zugänglich ist (und zukünftig sogar unter einer CC BY SA Lizenz!). Wenn aber nun nur MOOCs gefördert werden, die nach einer kurzen Hype-Saison vorbei (und damit auch alle Materialien dazu: weg bzw. urheberrechtlich streng geschützt) sind: Ach, das wäre doch jammerschade.

  3. Ich denke es wichtig hier noch einen Punkt zu machen zwischen (a) technischer Offenheit (Open Access, Open Science, CC) und (b) pädagogischer/didaktischer Offenheit (Open Education, Offenes Lernen). Während es bei (a) sehr wichtig ist, dass bedingungslos einzufordern (genau das macht ihr ja wirklich sehr gut, auch beim how to mooc), bin ich mir bei (b) nicht so sicher, ob es dadurch nicht zu einer Ausgrenzung kommt, von denen, die sich nicht öffnen wollen. Auch zeigt ja die hohe Abbruchraten bei den frühen MOOCs (cMOOCs), dass nicht alle mit der Offenheit zurecht kommen. Daher braucht es wohl etwas mehr Struktur, ohne jedoch gleich wieder auf eine “geschlossene” Plattform zu ziehen.

    Bin gespannt auf Euren Vortrag (leider nur virtuell)

    • Hallo Markus,

      A und B gehören getrennt betrachtet, ganz klar! Dass B nicht für alle und jede/n das Richtige ist, ist auch unbestritten – doch auch andersrum wird ja ein Schuh draus: Viele wünschen sich mehr didaktische Offenheit, und MOOCs in ihrer ursprünglichen konnektivistischen Form boten/bieten hier ein Potenzial, das eben speziell mit den Möglichkeiten des “modernen” Internet (Social Web) entfaltet werden kann. Wir drücken vor allem unser Bedauern aus, dass dieser Innovationsschub im Großen und Ganzen ausbleibt und doch wieder vorrangig alter Wein in neuen Schläuchen produziert wird.

      Über Abbruchraten im Kontext von cMOOCs zu diskutieren, finde ich wahrich müßig, weil der konservartive Gelingensbegriff hier nicht greift. Niemand hat diejenigen, die “abgebrochen” haben, gefragt, ob sie überhaupt den Anspruch hatten, von Anfang bis Ende dabei zu sein und “durchzuhalten”. Wir hatten unsere Teilnehmer/innen am Anfang gefragt, und nur 16% gaben an, von Anfang bis Ende dabei sein zu wollen, 53% wussten zu Beginn bereits, dass sie nur sporadisch je nach Wochenthema mitmachen wollten. Diese 53% in die Statistik der Abbruchquote einzubeziehen, wäre wahrlich nicht korrekt, oder? Insofern wünsche ich mir hier eine differenziertere Auseinandersetzung mit solchen Zahlen.

      Viele Grüße
      Dörte

      PS: Ausgerechnet unser Vortrag wird nicht aufgezeichnet, weil wir auf Stage 6 gelandet sind (1-5 werden aufgezeicnet)… Tja, was soll man bei dem Session-Thema davon halten? ;-)

  4. Jochen Robes sagt:

    Alles, was hier zur Offenheit in Lernprozessen steht, ist mir sehr sympathisch. Nur mit dem Titel dieses Posts und dem Verweis auf die iversity-Ausschreibung kann ich wenig anfangen. Die Ausschreibung lädt explizit ein, sich mit dem Konzept eines xMOOCs zu bewerben und nicht, etwas einzureichen, das die OER-Kriterien nach Wiley erfüllt. Und “openness als Killerkriterium”? Für wen? Für die Lerner? Wohl kaum. Denen reicht “open” im Sinne von frei und kostenlos. Für die Lehrenden, die MOOCs einreichen? Für die meisten, wenn ich es nach Sichtung einiger Bewerbungsvideos richtig einschätze, bedeutet die Teilnahme in erster Linie den Einstieg ins Online-Lernen. Und dann den Einstieg in die Kommunikation mit Lernenden, die draußen im Netz sind.

    Kurz: Hinter “MOOCs” können sich ganz unterschiedliche Veranstaltungen verbergen. Aber vielleicht ist das Fragezeichen im Titel auch so zu lesen.

    Das Spannendste an der iversity-Ausschreibung ist doch die Frage, was mit den 244 Projekten passiert, die nicht ausgewählt werden … ;-)

    • Moin Moin Jochen,

      unter uns: Der Titel ist genau so gewählt, um in den Unmengen an Bewerbungen für einen re:publica-Vortrag genügend aufzufallen und zu provozieren, damit wir eine Chance haben, überhaupt auserwählt zu werden – hat funktioniert. ;-)

      Ob den Teilnehmer/innen open” im Sinne von frei und kostenlos reicht? Vielen sicherlich, viele wissen vielleicht nicht einmal, das Lernen im Netz auch anders funktionieren kann und anders motiviert sein kann. Doch wenn wir MOOCs als Teil der Open-Bewegung betrachten, wie es ursprünglich mal gemeint war, dann gilt es, diese Openness zu “verteidigen”. Natürlich hast Du recht, wir werfen dem MOOC Production Fellowship von iversity etwas vor, was der gar nicht verspricht. Dennoch: CC-Lizensierung ist auch in xMOOCs möglich, und fehlende/s Berwusstsein bzw. Bereitschaft drückt sich in der zahl 4 vielleicht schon aus.

      Dass Du sagst, dass sich hinter MOOCs ganz unterschiedliche Veranstaltungen verbergen, kann ich verstehen – es entspricht ja den Tatsachen der Begriffsverwendung. Doch im Laufe der Auseinandersetzung mit MOOCs empfinde ich das, was passiert, oftmals wikrlich als Begriffspiraterie und wünschte mir für das eine oder andere einen neuen Begriff.

      Viele Grüße
      Dörte

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