MOOC-Didaktik

Wir sind doch kein xMOOC | Rückblick auf eine turbulente Didaktik-Woche

„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion Didaktik?
Du bist ein herzlich guter Mann MOOC-Maker, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“

(frei nach Goethe)

***

Wer hätte das gedacht, dass wir in der zweiten Woche des MOOC-Maker Course die Gretchenfrage auf so vielfältige Art und Weise gestellt und beantwortet bekommen… In dem WikiPedia-Artikel zur Gretchenfrage heißt übrigens: “Die Gretchenfrage bezeichnet eine direkte, an den Kern eines Problems gehende Frage, die die wahren Absichten des Gefragten entlarven soll. Sie ist dem Gefragten meistens unangenehm, da sie ein Bekenntnis verlangt, um das dieser sich bisher herumgedrückt hat.” Im Gegensatz zu Faust, haben sich die vielen Gefragten (und in einem MOOC ist ja jede/r gefragt!) in dieser Woche nicht geziert. Gehen wir es chronologisch an…

Das Interesse am Thema der Woche 2 war groß. Die Teilnehmer/innen wollten didaktische Konzepte kennen lernen, sie waren teilweise sogar an Theorie interessiert. ;-) Also, auf geht’s:

Didaktik, was ist das eigentlich?

Lisa Rosa hat ihre Thesen zu dieser Frage zunächst getwittert und dann im Kommentar auf howtomooc.org gebündelt präsentiert. Ihre Meinung: “Didaktik ist an Unterrichten und Lehren gebunden wie die Gewerkschaften an den Kapitalismus. Da wir in Zeiten des Internets u des LLL [Lebenslanges Lernen] erleben, dass Lernen nicht an Unterricht u Lehre gebunden ist, ist Didaktik unpassend. Es sei denn, es handelte sich um #Autodidaktik und das Erlernen derselben. #Peerteaching #LdL et al. sind die Übergangsversuche. Für MOOCs müsste die Frage also expansiv formuliert werden: ‘Wie kann ich Materialangebot u Beteiligungsstruktur so gestalten, dass die Lernenden weitestgehend nach ihrem persönlichen Sinn und selbstorganisiert lernen können?’ #Moderieren u #Coachen” Begriffe wie Moderation und Coaching hatte vielleicht auch Torsten Larbig im Kopf, als er seine 140-Zeichen-Definition vorlegte  – und auch das scheint sehr gut zu einem Open Course zu passen: “Didaktik ist die reflektierte Begleitung von Lernprozessen und nicht das Kochrezept des Lernbreibereitens.” (Der Blog Beitrag war übrigens gar nicht als #MMC13-Beitrag von ihm verschlagwortet worden, war jedoch durch das laufende Wochenthema inspiriert – ein schönes Beispiel dafür, wie sich die Diskussionen ins Netz verzweigen und verbreiten…)

Aus diesen beiden Sichtweisen könnten wir eine Formel ableiten, mit der sich weiter arbeiten (= konkret werden) lässt:

Didaktik = Kursdesign + Moderation/Betreuung

Brauchen wir dann also eine spezielle MOOC-Didaktik? Diese Frage hatte Joachim Wedekind sich als Titel für den Hangout on Air gewünscht – und ganz klar geantwortet: Nein. Damit meinte er jedoch nicht, dass in einem MOOC keine Didaktik zum Einsatz kommen müsse/solle, sondern dass es keine spezielle – extra für MOOCs entwickelte – Didaktik braucht. Gebraucht werden – darin sind sich die meisten in dieser Woche einig gewesen – ein geeignetes Kursdesign und eine geeignete Moderation/Betreuung. Diese Aufschlüsselung des Begriffs Didaktik in die Bereiche Bereiche “Design/Konzeption und Moderation (von Webinaren, online-Seminaren etc.)” hat Jasmin Hamadeh ihrem Beitrag zur konkreten Planungs- und Kalkulations-Arbeit vorgeschlagen. In die gleiche Richtung denkt Claudia Bremer und spricht in ihrem – ebenfalls sehr konkreten “Howto”-Beitrag mit vielen Planungshilfen – von Ermöglichungsdidaktik. Und auch Peter Addor verteiligt ausdrücklich die Notwendigkeit von didaktischen Entscheidungen seitens der Veranstaler/innen von MOOCs: “Jede Entscheidung und Handlung hat eine didaktische Komponente.” Er bringt in seinem Diskussionsbeitrag auf Google+ verschiedene Lektüren der Woche zu Konnektivismus in Zusamenhang mit Äußerungen aus dem freitaglichen Hangout on Air und der Twitter-Diskussion über Didaktik, aus der oben schon zitiert wurde.

Als Pendant zur Didaktik wurde in dieser Woche oftmals die Kompetenz der Teilnehmenden zur Selbstorganisation diskutiert:

Wären wir nicht alle gern ein bisschen Sarah – oder:

Braucht der kompetente Selbst-Lerner keine Didaktik mehr?

“Sarah genießt während des MOOCs den Freiraum, sich individuelle Schwerpunkte und Lernziele zu setzen und selbständig und selbstorganisiert lernen zu können. Dennoch nutzt sie die Möglichkeit, sich mit einzelnen Personen auszutauschen, und fühlt sich während des MOOCs nicht isoliert von den Lernprozessen der anderen, sondern im Netzwerk des MOOCs aufgehoben, auch wenn sie nicht mit allen interagiert und nicht mit allen vernetzt ist.” Das ist also die perfekte MOOC-Teilnehmerin, wie sie uns von Yvonne Stragies im Impulsbeitrag vor Augen geführt wird. Die Realität sieht anders aus: Die Teilnehmerschar eines MOOCs ist vielleicht heterogener als die Veranstalter/innen es vorab einkalkuliert hatten. Denn, wie während des Hangout on Air so schön gewtittert wurde:

Was nun? Mehr Einstiegshilfen z.B. in Form von Tutorials für Social-Media-Newbies? Mehr Zentralisierung der Diskussionen und der inhaltlichen Beiträge für jene, die ohne Struktur nicht wissen, was sie als nächstes tun sollen? Apropos “sollen”: Sollen sich nun die Lerner ändern oder die MOOCs? Genau das hatte Cornelie Picht zu Beginn der Didaktik-Woche provozierend gefragt. Auf die Überlegung, einem offenen Online-Kurs, in dem eine aktive Betreuung durch die Gastgeber/innen stattfindet, gar den Titel MOOC – oder zumindest das c vor dem MOOC – abzusprechen (dazu unten mehr), folgte jedoch schnell die Einsicht – hier aufgeschrieben von Julia: “Ich habe das Gefühl, Didaktik wird als etwas gesehen, dass nur für ‘Anfänger’ und ‘Ungebildete’ Sinn macht, für ‘Profis’ aber nicht. Als wäre Didaktik eine Art Fördermaßnahme. Ist sie das?”

Akzeptieren wir also, dass Didaktik nicht nur etwas mit überprüfbarer Stoffvermittlung zu tun hat und somit auch in einem konnektivistischen MOOC ohne einheitliches Klassenziel eine Rolle spielt. Dann fällt als eine didaktische Aufgabe, die die Veranstalter/innen übernehmen, das Bereitstellen von geeigneten Kursmaterialien als Ausgangsimpulse an. Ist schon dieses Kuratieren der Materialien eine didaktische Leistung? Lore Ress findet: ja. Wie oben geschrieben, ist es ein Element des Kursdesigns. Doch Lektüreempfehlungen sind noch lange keine Pflichtlektüren, und ein einheitliches, daraus zu extrahierendes Wissen gibt es in einem konnektivistischen MOOC erst recht nicht. Diese Meinung vertritt zumindest in seinem Kommentar auf Google+, der in dieser #MMC13-Woche nach einem Aufruf von Teilnehmerin-Dörte (zur Nachahmung empfohlen) kollaborativ übersetzt wurde: “Nach meinem Verständnis von Konnektivismus erfolgt kein Aushandeln. Die Lernenden wählen das Material aus, das sie für nützlich halten (wenn überhaupt). Dies liegt daran, dass es nicht etwa Ziel des Kurses ist, ein Fachgebiet zu beherrschen – tatsächlich gibt es gar kein bestimmtes Ziel des Kurses. Jede/r Lernende bringt eigene, persönliche Ziele mit, und daraus ergibt sich die jeweils individuelle Auswahl eines Lerninhalts. [...] Der Grund für diese Betrachtungsweise eines Kurses ist mein Interesse an dem Wissen, das durch ein solches Netzwerk entsteht. Jeder Kursteilnehmer hat eine andere Sichtweise, und das Zusammenspiel der verschiedenen Perspektiven generiert neues Wissen. Der Versuch, diese Perspektiven zu steuern – um sie in irgendeiner Weise “auf Linie zu bringen” – behindert in Wahrheit den Prozess der Wissensbildung.

So gesehen, brauchen Teilnehmer/innen eines konnektivistischen MOOCs vor allem zweierlei: Medienkompetenz und die Fähigkeit, eigene Lernprozesse selbst zu steuern und zu gestalten. Etliche #MMC13-Teilnehmer/innen haben schon in der ersten MOOC-Woche eingestanden, dass diese Form des Lernens eine neue Herausforderung für sie ist. Zwar fand der Aufruf von Lisa Rosa (siehe Lektüretipps für Woche 2), Menschen schon zu Schulzeiten stärker zu medienkompetenten Autodidakten auszubilden (die dann auch in der Lage wären, souverän und medienkompetent im Rahmen eines konnektivistischen MOOCs zu lernen), Anklang. (Und demnach wären die Teilnehmer/innen für ihr eigenes Scheitern in einem MOOC irgendwie selbst verantwortlich.) Doch so ganz wollten die Teilnehmer/innen des #MMC13 ihre Veranstalter/innen des MOOCs nicht aus der Pflicht entlassen. ;-) Und so verwundert es nicht, dass in der Didaktik-Woche der MOOC-Maker Course selbst bzw. das Kursdesign und die Art und Weise der Moderation/Betreuung, die eingesetzten Tools und das Verhalten der Gastgeber/innen ganz besonders unter Beobachtung und in der (konstruktiven) Kritik standen (Sandra Schön hatte uns “gewarnt”)…

Die Didaktik des #MMC13 in der Kritik

Allenortens (zum Beispiel hier, hier und hier) fanden in dieser Woche Diskussionen statt, ob denn nun ein zentrales Diskussionsforum für diesen MOOC-Maker Course vonnöten sei, warum wir nicht mixxt nutzen, warum wir denn das Wiki nicht früher als in Wocche 5 freischalten, warum wir so viel twittern, warum wir als Gastgeber/innen überhaupt Links thematisch sortiert auf howtomooc.org anbieten, wo doch die Teilnehmer/innen sich schon die Mühe machen, selbst zu kuratieren, ob wir genügend Tutorials und andere Hilfestellungen vorhalten usw. In einem halbstündigen Hangout on Air haben schließlich sich ein paar Teilnehmer/innen zusammen gefunden und eine (sehr sehens-/hörenswerte!) Diskussion über die Plattformfrage geführt, ob denn nun ein zentrales Forum “nützt” oder “schadet” – und wem eigentlich und wozu. Zu einer einheitlichen Meinung sind sie nicht gekommen, zu unterschiedlich sind die Bedürfnisse und Vorlieben. All die an uns gerichteten Fragen und Wünsche und Kritikpunkte sind übrigens auf einer Meta-Ebene wichtiges Futter für ein “Handbuch des Gelingens” (den Begriff hat übrigens Joachim Sucker heute geprägt, ein schöner Titel für das geplante howtoMOOC-Handbuch im Wiki-Format…).

Ein treffendes Zitat zu dieser Medien-Diskussion lieferte uns übrigens Jörg Lohrer:

Dennoch wollen wir die Frage nach dem geeigneten MOOC-Medienmix nicht verharmlosen und werden uns weiter damit auseinandersetzen. Auch die Umfrageergebnisse, die wir heute Abend noch veröffentlichen wollen HIER veröffentlich haben, geben darüber ein wenig Aufschluss.) Dass beispielsweise ein Live-Event dem Lern-Community-Building gut tut, wurde im Laufe der letzten beiden Wochen mehrfach bestätigt. Ob dafür aber die Technik von Google+ Hangout on Air wirklich schon ausgereift genug ist und allen Ansprüchen genügt, wird zu Recht bezweifelt. Für die meisten von uns ist der Umgang mit diesen Hangouts jedoch ein wertvolles Experiment, aus viele Lehren gezogen werden (verschriftlich beispielsweise vom Teilnehmer-Heinz). ;-)

Steht also immer noch die Frage im Raum, welche Rolle(n) denn die Gastgeber/innen in einem MOOC denn nun spielen sollen/dürfen. In einer kollaborativen Wochenaufgabe hatten wir hierzu – nebst Lektüretipp zu Stephen Downes über 23 Rollen von Lehrenden in einem MOOC – eingeladen, das ideale MOOC-Team zusammenzustellen – so richtig gefunzt hat das nicht, und wir diagnostizieren: Bloggen, twittern, googleplussen und hangouten macht einfach mehr Spaß als in einem verstaubten Textdokument vor sich hin zu schreiben. ;-) Vielleicht hat die Fragestellung jedoch eine zweite Chance bverdient, wenn nämlich der Aufruf von Diethild (@dista11) Gehör findet, für eine gemeinsame Reflektion der Rollen dieses Pad zu nutzen.

Am vorletzten Abend dieser Didaktik-Woche hat sich dann eine Diskussion entwickelt, in der wir Gastgeber/innen selbstkritisch gefragt haben, wie es denn möglich sei, zwischen verschiedenen Rollen hin- und herzuspringen: Wie können wir einen MOOC organisieren und gleichzeitig daran teilnehmen? Eine wichtige Frage für alle, die der Peer-to-Peer-University-Vision anhängen. Es ist schließlich eine in Zeiten des Social Web eigentlich (!) ganz einfache Sache, sich mit den Bordmitteln des Internet eine Lernumgebung zusammenzubauen und andere einzuladen, gemeinsam ein Lernfeld zu erforschen – ungefähr so wie wir hier. Die Diskussion dazu, die zu nachtschlafender Zeit auf Twitter begann, wurde von Heinz Wittenbrink am heutigen Morgen auf Branch umgelenkt – dort geht zurzeit die Post ab. :-) Daraus ein Zitat in eigener Sache:

branch-diskussion

 

Sind wir ein xMOOC?

Joachim Wedekind hatte zu Beginn des freitagslichen Hangouts beklagt, dass wir die Definitionsfrage in Woche 1 nicht abschließend geklärt hätten. Wie denn auch, lieber Joachim! Wir sind hier doch nicht im xMOOC! ;-)

Warum kommen wir dann hier doch noch einmal auf die Sache mit den x -versus-c-Definitionen zurück? Weil es den Anschein hat, also ob die Präsenz von MOOC-Gastgeber/innen inmitten von Teilnehmer/innen-Diskussionen als Steuerung (gar Manipulation!) wahrgenommen wird, als Versuch, zur EINEN Wahrheit zu lenken – als Indiz dafür, dass wir zum xMOOC mutieren.

Und darum listen wir hier 3 wesentliche Merkmale auf, die aus unserer Sicht den #MMC13 ganz eindeutig von einem xMOOC unterscheidet:

  1. Ein xMOOC orientiert sich stark am vorgegebenen Kanon der Kursinhalte. >> Wir geben lediglich Lektüreempfehlungen und wir beziehen Impulsgeber/innen ein, deren Inhalte wir vorab nicht zu gesicht bekommen. Wir haben keine Kontrolle darüber, was als Impulse eingespeist wird.
  2. In einem xMOOC wird von Experten gelernt, die ausschlielich der Kursleiter im Vorwege bestimmt. >> Wir sagen nicht, von wem Ihr lernen sollt. Ihr sucht Euch die Menschen und die Inhalte, von denen Ihr lernen wollt, selbst aus. Impulsgeber/in, ExpertIn on Air und Reflektor/in konnte übrgens jede/r werden, wir haben öffentlich dazu aufgerufen und eingeladen.
  3. In einem xMOOC wird mit Hilfe von Prüfungen Wissen abgefragt und auf Basis dessen werden Leistungsnachweise erstellt. >> Wir prüfen nichts und bescheinigen nichts. Ihr nehmt (im Kopf) mit, was immer Ihr wollt.

Und so schließen wir die Didaktik-Woche mit einem weiteren Zitat:

„Und so sehen wir betroffen / Die Woche um und alle Fragen offen.“

(Wer hat das – so ähnlich – gesagt?)

 

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Wissenschaftliche Evaluation des #MMC13

Ulrike Glembotzky (@biwi_uli) untersucht unseren #MMC13
im Rahmen ihres Studiums der Bildungswissenschaften
an der FernUniversität Hagen und bittet Euch um Beantwortung
dieses FRAGEBOGENS (bis 5. Februar 2013) – danke!

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

 

Ein paar Einladungen zum Mitmachen

>> Boris Jaeger bietet sein Wiki zum Üben für das #MMC13-Wiki an (welches wir in Woche 5 zur Ergebnissicherung freischalten).

>> Auch Andre Spang stellt sein Wiki zum Sammeln und zum Üben zur Verfügung.

>> Wer im Rahmen des #MMC13 Podcasten möchte, darf sich bei den eigens für diesen MOOC produzierten Jingles von Andre Spang bedienen.

>> Christian F. Freisleben-Teutscher stellt in einem offenen Google Doc seine Überlegungen zu MOOCs in Unternehmen zur Diskussion und lädt zum Mitschreiben ein.

>> Katja Kohlstedt fragte, welchen MOOC (zu welchem Thema? für welche Zielgruppe?) Ihr gern mal veranstalten würdet – und 14 haben schon geantwortet. Noch jemand ne MOOC-Idee?

>> Isabella hat uns mit ihrem “ABC meiner neuen Wörter” auf charmante Art und Weise darauf aufmerksam gemacht, wie viele Fremdwörter und auf den ersten Blick unverständlichen Begriffe wir im Rahmen des MOOCs wir alle verwenden. Wer kann noch weitere Begriffe beisteuern, der/die möge bei ihr kommentieren!

>> Im Blog-Aggregator findet Ihr jeden Tag neue Anknüpfungspunkte – ein kleiner Tipp: Ein kurzer Kommentar nach befriedgender Lektüre schärft die eigenen Synapsen und motiviert den Schreiberling! :-)

>> Und wer mal eine wirklich beeindruckende Materialsammlung rund ums MOOC-Making durchstöbern möchte, schaut sich einfach in den MMC13-Ressourcen von Boris Jaeger um – oder auch in seiner Sammlung der #MMC13-Beiträge. Einfach nur wow!!!!

——————–

Dieser Wochenrückblick ist und bleibt unvollständig, denn wir Gastgeber/innen sindlängst nicht mehr in der Lage, alles zu finden, zu lesen, zu durchdringen und miteinander in Beziheung zu setzen. Wir hoffen, Euch so viele Anknüpfungspunkte wie möglich geboten zu haben, die es Euch erleichtern, auch mit kleinem Zeitbudget anzudocken und Kontakte zu Inhalten und Menschen zu knüpfen.

Wie immer gilt: Wenn Euch interessante Beiträge auffallen oder Ihr Euch wünscht, dass ein Aufruf zur Zusammenschluss für ein Lernprojekt von uns über die zentralen Kursmedien verbreitet wird: Kommentiert, twittert und an, schickt uns eine E-Mail!

Comments
8 Responses to “Wir sind doch kein xMOOC | Rückblick auf eine turbulente Didaktik-Woche”
  1. Katja Kohlstedt sagt:

    Wow! Großartig! Als hättet ihr alles umgesetzt, was irgendwo in den vergangenen zwei Wochen zum Thema “Kursdesign” und Zusammenfassung geschrieben wurde.

    Kann jetzt nur einen einzigen Punkt kommentieren. Eine Erkenntnis, die beim Lesen folgenden Abschnitts kam:

    “[...] kollaborativ übersetzt wurde: “Nach meinem Verständnis von Konnektivismus erfolgt kein Aushandeln. [...] Der Versuch, diese Perspektiven zu steuern – um sie in irgendeiner Weise “auf Linie zu bringen” – behindert in Wahrheit den Prozess der Wissensbildung.””

    Meine Erkenntnis: Konnektivismus in derzeitiger Form beruht auf der amerikanischen Version von Didaktik: Dem Instructional Design. Didaktik ist etwas zutiefst auf europäischen Denktraditonen Wurzelndes. Dieser Unterschied ist richtig, richtig bedeutsam für unsere Diskussionen der vergangenen Woche. Als ich auf Twitter gefragt habe, ob sich womöglich in Deutschland/Europa eine eigene Richtung/Definition von Moocs entwickeln wird, hab ich daran nicht gedacht, aber es scheint schon in mir “geschlummert” zu haben.

    “Didaktik” ist ein Begriff, der anscheinend sehr schwer fassbar ist. In den vergangen 17 Jahren meines “Studiums” darüber ist er mir regelmäßig immer wieder aus den Händen geglitten. Jetzt mehr denn je. Oh nein, diese Woche ist noch nicht sequentiell abgeschlossen ;-) )

  2. Wow, bin blass vor Neid.
    Immerhin habe ich von all diesen Dingen etwas mitbekommen, hatte die Hälfte davon im Kopf für die vor zwei Tagen geplante Reflektion, sah’ mich dann überfordert mit der Zusammenfassung der Inhalte, der Verlinkung auf die Blogartikel, Dokumente, Kommentare und interessanten Tweets.

    Ich hänge heute Abend an Überlegungen zur Rolle der Reflektorin, würde so eine Zusammenfassung gar nicht erstellen wollen. Sehe aber die Notwendigkeit, doch auf bestimmte Diskussionen zu verweisen, damit man die gedanklichen Ansätze einer Reflektion besser nachvollziehen kann.

    Frage: wer liest und genießt Reflektionen? Außenstehende, die vielleicht ein paar Links begrüßen, aber nicht damit “zugespamt” werden wollen? MOOC-Beteiligte, die die Links nicht (?) brauchen oder aber gerade wollen? Sind diese Reflektionen nicht den Wochenrückblicken von Teilnehmern vergleichbar? Oder sollte man eine bewusst distanzierte Haltung für die Reflektionsrolle zur Voraussetzung machen?

    Da kommt noch was nach von mir…

  3. Peter Addor sagt:

    Du schreibst: “….kollaborative Wochenaufgabe … – so richtig gefunzt hat das nicht, und wir diagnostizieren: Bloggen, twittern, googleplussen und hangouten macht einfach mehr Spaß als in einem verstaubten Textdokument vor sich hin zu schreiben”.

    Das hat mir zu denken gegeben. Man versucht dem auszuweichen, was kognitive Anstrengung und Konzentration erfordert und zieht verbale Interaktionen vor, die einem Gehör verschafft und Feedback einbringt. Aber ist denn Lernen nicht immer auch mit kognitiver Anstrengung verbunden? Muss man beim Lernen nicht ab und zu angestrengt und genau hinschauen, um den Unterschied, der den Unterschied macht, zu erkennen? Wie oft erlebe ich, dass Menschen buchstäblich kollabieren, wenn es etwas kompliziert und detailliert wird. Kürzlich hat jemand auf Facebook eine Logikaufgabe gepostet (ich füge sie am Schluss meines Kommentars hinzu). Es gab massenhaft Kommentare. Interessant waren die Reaktionen der Leute. Niemand machte sich die Mühe, die Aufgabe genau durchzudenken und das Ergebnis präzis zu verargumentieren. Lieber machten die Leute vermeintlich lustige Sprüche, diskutierten über den in Aussicht gestellten Preis oder stammelten unverständliche Erklärungsfetzen, die erst noch falsch waren.

    Ein MOOC unterstützt natürlich die gedankliche Zerstreuung, indem sich ein MOOC verschiedener Kanäle bedient. Das ist zwar attraktiv, gibt einem aber auch die Möglichekit, auszuweichen und durch die Kanäle zu zappen. Für mich ist ein (c)MOOC immer noch ein passendes Gefäss, um ein Thema breit zu diskutieren. Es eignet sich also z.B., um ein Thema an die Öffentlichkeit zu bringen und zu verbreiten. Ein Volk mooct. Ein MOOC mit paar millionen Teilnehmern. Keine Veranstalter, selbstorganisiert.
    Ob sich aber ein (c)MOOC eignet, um etwas wirklich schulmässig zu lernen?

    Logikrätsel: Eine Insel hat genau 100 Einwohner, von denen ein Teil immer die Wahrheit sagt und die anderen sagen immer die Unwahrheit. Ein Forscher kommt auf die Insel und fragt jeden Einwohner, wieviele Lügner es auf der Insel gebe. Der erste sagte: “Es gibt einen Lügner”, der zweite sagte: “Es gibt zwei Lügner”, usw. Der 99. sagte: “Es gibt 99 Lügner” und der Hundertste antwortete: “Alle sind Lügner”. Wieviele Lügner gibt es auf der Insel und welche sind Lügner?

    • Lisa Rosa sagt:

      Lieber Peter, “Man versucht dem auszuweichen, was kognitive Anstrengung und Konzentration erfordert und zieht verbale Interaktionen vor, die einem Gehör verschafft und Feedback einbringt.” Das ist deine Ursachendiagnose dafür, dass die Arbeitsblätter nicht bearbeitet wurden. Meine ist eine andere, sie lautet so:
      Zum selbstgesteuerten Lernen (ein MOOC, besonders wie dieser speziell hier, spricht die Selbststeuerung beim Lernen an. Dazu passt nicht so gut ein von oben gegebenes Aufgabenblatt. Selbststeuerung heißt ja, dass sich die Leute selbst ermächtigen, sich selbst beauftragen, sich selbst Aufgaben nach ihrem persönlichen Sinn stellen. Nur, – und jetzt kommts!, WENN DAS AUFGABENBLATT ZUFÄLLIG ZUSAMMENPASST mit diesem persönlichen Sinn, wird es angenommen. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering. In der Schule muss es bearbeitet werden, egal ob es den Sinn jedes einzelnen Schülers trifft oder nicht. Am ehesten funzt dabei eine weite komplex formulierte Aufgabe, unter der sich jeder seine eigene konkrete stricken kann.

      Übrigens, was mir gerade aufgefallen ist: die ganzen Rollen, die Stephen Downes da für den educator im MOOC auflistet, das sind genau auch die einzelnen Funktionen, die ein Lernprojektleiter hat. Es sind Funktionen zu bestimmten Zeitpunkten des Lernprozesses. Wir Projeklern-Anleiter fassen sie zusammen in den Rollen #Moderation und #Coaching. Der Lernprozess der Gruppe wird moderiert. Modererieren ist nicht bloß im Gruppengespräch diesen oder jenem das Wort erteilen. Es ist auch: Diagnostizieren, was die Gruppe jetzt braucht und entsprechend handeln: Eine Zusammenfassung? Eine Konfrontation mit einem bisher nicht beachteten wichtigen Gesichtspunkt? Eine Metareflexion? usw.
      Coaching (Einzel- oder Kleingruppe).
      Ich möpchte mir bald mal überlegen, inwiefern cMOOCS (nicht nach instructional design gemachte xMOOCS) mit Lernprojekten übereinstimmen und worin sie sich unterscheiden.

  4. Boris sagt:

    Das ist ja der Hammer…

    Danke für die Erwähnung, auch wenn ich implizit nicht darum gebeten habe. Viel interessanter, eindrucksvoller und wertschätzender wäre gewesen, wenn Ihr auf die wiki-Seite mit den Teilnehmer-Beiträgen verwiesen hättet (http://xingkm.jaegerwm.de/index.php/MMC13_-_Beiträge), auch wenn es sich bei den Resourcen ebenfalls ausschießlich um Beiträge der Gastgeber und Teilnehmer handelt. Ob beide Seiten allerdings “Wow” im positiven oder negativen Sinne sind, darüber bin ich mir noch unschlüssig.

    Leider muss ich Euch mitteilen, dass ich aus zeitlichen Gründen nicht mehr für den KURS und die TEILNEHMER kuratieren werde. Es ist ja freiwillig und nicht verbindlich. Verbindlich habe ich allerdings eine Reflektion für die mmc13-Woche 4 (Geschäftsmodelle) zugesagt. Diese werde ich auch einhalten. Um dafür den Überblick zu behalten, werde ich in Woche 5 natürlich auch kuratieren, allerdings für MICH.

    Das Angebot, das xingKM wiki zum Üben zu benutzen steht trotzdem. Allerdings möcht ich gleichzeitig auf das Angebot von Andre aka @tastenspieler hinweisen, der schon seit geraumer Zeit sein Wiki zum Beitragen und Üben anbietet (ich bin auch schon dort). Thematisch passt es einfach besser, wenn Ihr dort mitmacht und außerdem steht dort alles unter einer cc-Lizens und nicht nur die Seiten für den MOOC Maker Kurs.

    Link zu Andres Wiki:
    http://www.andre-spang.de/wiki/index.php?title=MMC13_-_MOOC_Maker_Course_2013

    Viel Spass weiterhin bei diesem Spektakel
    Boris

    • Dake, Boris!
      Ich nehme beide Links noch oben in das Post mit auf (solche Ergänzungen verstoßen sicherlich nicht komplett gegen die Blog Etiikette der verpönten nachträglichen Änderungen… ;-) ). Für ale Hinweise, wo Teilnehmer/innen was losmachen, sind wir dankbar – wir haben längst den Überblick verloren – und sind darüber sogar ganz froh, denn das ist das untrügerische Zeichen dafür, dass es “massive” ist.
      Viele Grüße, Dörte

      • Werner Povoden sagt:

        Mit dem Beginn der dritten Woche drängt sich mir zwangläufig ein Thema auf das mir schon lange auf der Zunge brennt. Der Beitrag von LisaRosa bestätigt dies umsomehr. Wie schaut es eigentlich aus mit den Fähigkeiten und Fertigkeiten sich selbst zu managen? Was gehört da inhaltlich zu diesem Thema? Wie können diese Fähigkeiten einem Teilnehmer in einem MOOC helfen sich besser zurecht zufinden? Wenn er im Besitz dieser Kompetenz ist, kann dann seinen Lernerfolg steigern?

        Alles Fragen die mich bewegt haben nicht erst seit dem MoocMaker Course sondern schon seit ich mich mit dem Thema SocialMedia beschäftige. Dazu habe ich eine Map erstellt die ich Dörte zur Verfügung stelle. Ich würde mich freuen, wenn hierüber eine lebhafte Diskussion entsehen würde.

Trackbacks
Check out what others are saying...
  1. [...] gab zahlreiche Beiträge und Aktivitäten in dieser Woche – der Beitrag Wir sind doch kein xMOOC fasst alles schön zusammen. Am Ende der Woche dürfen mehrere Personen reflektieren – und [...]



Leave A Comment