Sharing your learning path

Offiziell haben wir ihn vor einer Woche beendet, den MOOC Maker Course 2013. Anders gesehen hat er für mich gerade erst begonnen: Das MOOC-Maker-Wiki ist noch in der Anfangsphase. Ich möchte mit der Community, die sich herausgebildet hat, und einigen der – oft sehr großzügigen – Experten, in Verbindung bleiben. Vor allem aber werde ich mich mit dem Thema der offenen Online-Kurse sicher noch lange beschäftigen. Selten hatte ich bei einem Thema, das mich fasziniert, den Eindruck, dass es ein so großes allgemeines Interesse daran gibt. Aber das ist nicht der Hauptgrund dafür, dass ich mich MOOCs weiter interessieren werden.

Jetzt frage ich mich, was für mich die wichtigste Erkenntnis oder das wichtigste Ergebnis des Kurses war. In einem Satz würde ich es so formulieren:

Die Lernenden, nicht die Anbieter, organisieren das Lernen im Netz.

Der eigentliche Witz des Formats MOOC ist mir erst während des Kurses selbst aufgegangen: Ein MOOC ist nicht nur eine neue Form der Vermittlung des Wissens. Die Beziehung der Lernenden zum Wissen ist eine andere als bei den im weitesten Sinn am Buch orientierten Formen des Lernens. Bei einem MOOC erarbeiten sich die Teilnehmer gemeinsam ein Thema. Jeder verfolgt dabei seinen eigenen Weg und tauscht sich mit seinem persönlichen Netzwerk aus. Die Teilnehmer organisieren sich das Wissen und das Erwerben des Wissens im Laufe des Kurses, und sie teilen sowohl das Wissen wie diesen Lernprozess miteinander. Man lernt also reflexiv, in dem man das Lernen der anderen beobachtet, es beeinflusst und von ihm beeinflusst wird.

Vor einigen Jahren habe ich durch Ton Zijlstra das Motto Owning your learning path kennengelernt. Es könnte auch über einem MOOC stehen. Dort wird es aber durch das Sharing your Leraning Path ergänzt. Die Beobachtung und des Lernens der anderen, der Austausch darüber und die gemeinsame Reflexion strukturieren den eigene Lernweg mit. Da in einem MOOC viele Gruppen und persönliche Netzwerke miteinander vernetzt sind, finden diese Austausch- und Reflexionsprozesse zwischen diesen Gruppen, also auf Netzwerkebene, noch einmal statt.

Das Netz als Lernumgebung

Das Netz, bzw. das Web, ermöglicht diesen Austauschprozess, weil es fast alle technischen Hürden für das Veröffentlichen des eigenen Lernprozesses beseitigt. Es fördert Nähe der Lernenden zueinander. Diese Nähe kann, das ist mein Eindruck von meinem ersten MOOC, größer sein als beim Lernen in herkömmlichen Räumen. Die Erfahrung der Nähe, die Öffentlichkeit eines Bildungsprozesses, also eines sehr persönlichen Vorgangs, unterscheidet vielleicht auch das Lernen im Netz von anderen Formen der Online-Kooperation und des Online-Austauschs.

Lernprozesse in Netzwerken gab es schon vor dem Netz. Die Kommunikation der Humanisten in der frühen Neuzeit (über Briefe, Reisen und Gesellschaften), später dann der Austausch unter Forschern bei wissenschaftlichen Revolutionen sind wohl nichts grundsätzlich anderes. (Ich habe vor meinem Abitur Heisenbergs Autobiographie Der Teil und das Ganze gelesen, in der Heisenberg beschreibt, wie er in einem Netzwerk von Wissenschaftlern die neue Physik gelernt und zugleich weitergebracht hat, noch bevor er sich die sogenannten wissenschaftlichen Grundlagen angeeignet hatte.) Das Netz macht diese Form des Lernens leicht, es bietet die technischen Voraussetzungen dafür, Lernerfahrungen zu publizieren, zu archivieren und zu kuratieren. Durch seine dezentrale Struktur schränkt das Web die Möglichkeit zu teilen nicht künstlich ein. Deshalb braucht man für einen MOOC keine Lernplattform, die ist durch das Netz schon gegeben.

In der Diskussion über MOOCs geht dieser radikale Lerner- und Netzbezug des MOOCs als Lernform wohl oft verloren. Er unterscheidet übrigens cMOOCs, also die konnektivistischen MOOCs, nicht rigoros von den xMOOCs der Startups wie Coursera und Udacity. Denn auch bei offenen xMOOCs ist die Autonomie der Lernenden viel größer als beim Lernen innerhalb der bestehenden Bildungsinstitutionen. Der Hype, der sich im letzten Jahr um die xMOOCs entwickelt hat, kommt nicht dadurch zustande, dass hier das Fernstudium neu erfunden wird, wie es Dörte Giebel sagt. Neu ist, dass Bildungsangebote, die bisher einer Elite vorbehalten waren, jeder Benutzerin oder jedem Benutzer des Netzes zugänglich gemacht werden – jedenfalls dem Anspruch nach.

Business-Modelle und Peer-Production

Um MOOCs als Format weiterzuentwickeln muss man da ansetzen, wo sie sich von den überkommenen Lernformaten unterscheiden, nicht da, wo sie ihnen verpflichtet sind. Nur dann hat man die Chance das fruchtbar zu machen, was durch das Netz erst möglich wird. Durch offene Online-Kurse könnte in der Bildung ein ähnlicher Paradigmenwechsel beginnen, wie sich schon seit Jahren im Journalismus vollzieht. Die Gatekeeper verlieren Macht, die Nutzer organisieren ihr Programm, machen es zum Teil, und vor allem: Sie vernetzen sich und kooperieren. Das kann zu einer radikalen Individualisierung der Angebote führen und gleichzeitig zu Netzwerkeffekten, durch die wenige und oft neue Player Aufmerksamkeit und Ressourcen auf sich ziehen. Wenn man Geschäftsmodelle für MOOCs diskutiert, sollte man deshalb von dieser Ermächtigung der Lernenden, der User ausgehen, und von den Modellen der Peer Production, die in Netzwerken funktionieren. Selbst bei einem überschaubaren Kurs wie dem MMC13 haben wir erlebt, wie viele Ressourcen sich ohne Einsatz von Geld und bei begrenzten Aufwand mobilisieren lassen lassen, wenn man auf ein Netzwerk setzt und ihm Freiheit gibt.

Comments
One Response to “Sharing your learning path”
  1. Meine Hoffnung ist, dass du die neu ermöglichte Erfahrung von Lernprozessen, die nicht von Gatekeepern bestimmt ist, sich Wünsche und Forderungen an bestehende Institutionen deutlich artikulieren oder/und neue Organisationsformen etablieren können. Also eine Umkehrung des Top-Down Prinzips. Es geht also nicht nur um die Öffnung der bestehenden Ressourcen für jedermann und jedefrau, sondern auch um deren Umstrukturierung und Anpassung an gewachsene Lernbedürfnisse, die ihrer Natur gemäss vielfältig und fluid sind.
    In Punkto “sozial” habe ich allerdings bislang den Eindruck, dass dem virtuellen Kennenlernprozess mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden müsste, sodass die Akteure und ihre Felder deutlicher werden. In Face to Face Situationen geht das irgendwie leichter, schneller…..

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